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Stefan Winter

Stefan Winter

Stefan Winter (DAV)

Stefan Winter

Stefan Winter im Gespräch mit Barbara Gruber

DAV Black Diamond Skitourencup 2007

Echtler und Gruber - Deutsche Meister Vertical Race 2007

Stefanie Koch

Konrad Lex

Franz Grassl

Judith Grassl

Christine Schleich

Stefan Klinger

Reithmeier vor Nickaes

Toni Steurer

Silvia Treimer

Interview mit Stefan Winter (02/07), Skibergsteigen

M2b Redaktion am 28.02.2007 - 11:00 Uhr

Der erste Teil der Wintersaison ist bereits vorbei. Zeit, ein kurzes Resümee über die vergangenen Rennen zu ziehen. Anna Spielbüchler vom ASTC sprach an dieser Stelle mit Stefan Winter aus dem Nachbarland Deutschland und befragte ihn, wie es in dieser Saison bislang im Deutschen Nationalteam läuft, und was die Zukunft des Skibergsteigens, international gesehen, bringen wird.


ASTC: Stefan, du bist die wichtigste Ansprechperson für den Bereich Skibergsteigen in Deutschland, wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?

Stefan Winter: Ich arbeite seit 1997 in der Bundesgeschäftsstelle des DAV und war früher tätig im Bereich Kletteranlagen und Klettern als Schulsport. Dann wechselte ich in den Bereich Spitzenbergsport und bearbeite nun als Sachbearbeiter die Bereiche Skibergsteigen, Sportklettern und Expeditionsbergsteigen - alles als Leistungssport, versteht sich.

Das Skibergsteigen betreibe ich als Bergführer schon lange, ab 1999 wettkampfmäßig so im vorderen Mittelfeld, wobei ich alle Disziplinen gut finde. Highlights waren die Teilnahmen an der Mezzalama und Pierra Menta und diversen Weltcups als Teamchef. Diese internationale Erfahrung ist für meinen Job absolut unverzichtbar, denn nur auf den Weltcups und Welt- und Europameisterschaften startet die gesamte Elite und läuft die aktuelle Sportentwicklung ab.

Meine Hauptaufgabe im Skibergsteigen ist die sportliche Leitung und Organisation der Deutschen Nationalmannschaft und Entwicklung der nationalen Wettkämpfe sowie die Nachwuchsarbeit.


ASTC: Im Gegensatz zu uns in Österreich könnt ihr euch glücklich schätzen, die Möglichkeit zur Aufstellung eines Nationalteams zu haben. Wie verläuft dadurch die Entwicklung des Skibergsteigens in Deutschland?

Stefan Winter: Ohne Spitze keine Breite, und umgekehrt. Man braucht die Vorbilder und Leader, um Nachwuchs zu motivieren, und dafür ist ein "echtes" Nationalteam unerlässlich. Sponsorenteams sind auch wichtig, allerdings nur im nationalen Bereich. Für die deutsche Szene holt sich unser DAV-Team den Input auf den Weltcups und gibt sie direkt und indirekt auf nationaler Ebene weiter.

Außerdem brauchen unsere Topläufer Ansporn, noch besser zu werden und die starken Italiener, Franzosen und Schweizer zu erreichen, sonst würden sie sich nur im Kreise um sich selbst drehen. Das kennt doch jeder: wer nur mit "schwächeren" oder gleich guten trainiert, der stagniert. Wer im Team ist, der schart um sich einen Trainingspool an Leuten, die da hin wollen, und das ist gut so. Man sieht, dass die Leistungsdichte dadurch in den letzten fünf Jahren enorm zugenommen hat.


ASTC: Wie bist du mit der DAV Nationalmannschaft im Hinblick auf die bisherigen internationalen Rennen der Wintersaison 2006/2007 zufrieden?

Stefan Winter: Insgesamt ist ein positives bis sehr positives Fazit zu ziehen. Leader der Saison ist zweifelsfrei Martin Echtler, der mit unglaublich wenig Trainingsumfang auf Ski bewiesen hat, dass es auch anders geht. Er steht momentan am Zenit und hält diesen hoffentlich noch lange, denn der DAV hat 2008 mit ihm ein paar Überraschungen vor.

Dann kommt Konrad Lex, der vor allem im Aufstieg auf langen Strecken zu Hause ist, und die nächsten Jahre garantiert noch besser werden wird.

Stefan Klinger hat nach schwacher Saison 2006 nun wieder sein Leistungsvermögen erreicht – er ist ein wirkliches Talent mit Potenzial für ganz vorne. Da kann er konsequent Jahr für Jahr noch aufbauen.

Toni Steurer hatte Pech mit Erkältungen und Schneemangel im Allgäu, und als zweifacher Vater kümmerte er sich auch mehr um seine frisch geborene Tochter. Toni ist aber auch noch unter 30 und kann im Weltcup unter die Top Ten laufen.

Georg Nickaes und Gerhard Reithmeier sind das eingespielteste Team und kamen in dieser Saison erst etwas später in Form, auch verletzungsbedingt. Sie werden bei alpinen Rennen in der Abfahrt noch ihre Stärken zeigen.

Zu verkraften hat das Team den Rückzug von Franz Grassl - dem besten Athleten der letzten Jahre. Für seine Leistungen ist der DAV sehr dankbar.

Stolz kann man auch auf die Damen sein. Hier hat Barbara Gruber sicher eine Ausnahmestellung, was den Aufstieg anbelangt. Ich denke, dass sich einige Herren in Zukunft noch "wärmer anziehen" müssen, um Barbara hinter sich zu lassen. Leider hat sie momentan wieder einen Kreuzbandriss, der ihr ihre Schwäche - die Abfahrt - noch schwerer macht.

Bei Steffi Koch ist der Knoten so richtig aufgegangen und ich glaube, sie hat noch lange nicht ihr volles Potenzial erreicht. Ich hoffe, dass sie dabei bleibt, dann wird sie viel erreichen, da sie auch super abfährt.

Ebenso gut ist natürlich Judith Grassl in der Abfahrt, beziehungsweise bei alpinen Rennen, sie hat absolut Biss und kann sich bei Rennen vorkämpfen, wie kaum eine andere. Wo sie antritt, ist das Stockerl angesagt, wobei das im Weltcup dieses Jahr noch nicht gelang, dafür bei der Sellaronda.

Silvia Treimer hatte einen super Saisonstart mit Laserz und Saalbach, sie ist eine super Allrounderin und sehr verlässlich, wie etwa bei der Patrouille des Glaciers 2006 bewiesen.

Christine Schleich ist 2007 vom Team nach fünf Jahren toller Ergebnisse und Engagement zurück getreten und feiert derzeit eine Art Abschiedstournee mit tollen Leistungen, die für das Team dennoch reichen würden. Insgesamt ist der DAV sehr zufrieden mit seinen Athleten und wünscht sich, dass alle bei der Stange bleiben.


ASTC: Ein Nationalteam ist schon ein erster Schritt in Richtung einer Steigerung des Bekanntheitsgrades der Sparte Wettkampskibergsteigen. Dazu müssen aber immer wieder fähige Sportler vorhanden sein. Wie sieht in dieser Hinsicht die Situation der nachkommenden Jugend in Deutschland aus?

Stefan Winter: In Deutschland haben wir derzeit eine Gruppe von rund 20 aktiven starken Jugendläufern, die mehr oder weniger von uns gefördert werden. Hier wird der DAV künftig noch mehr Leistung hinein stecken, denn das ist das aller Wichtigste: Junge motivierte Athleten, die Spaß an diesem Sport haben. Selbst wenn man diesen Sport bis 40 sehr gut machen kann - das wichtigste sind die jungen Leute, und diesen wollen wir eine attraktive Plattform bieten, mit Trainingsplänen, Trainern, Tests und so weiter.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie Italien, Frankreich oder der Schweiz können wir noch nicht ganz mithalten, aber angedacht sind bei uns drei Regionalleistungsstützpunkte (Allgäu, Werdenfels, Berchtesgaden) mit Regionaltrainern, und dann wird die Aufholjagd gestartet. Praxmar war ein guter Impuls für die Szene und wichtig zum Erfahrung sammeln für alle – auch für die Trainer und Ausrichter. Ich freue mich auf eine Wiederholung mit einem noch verbesserten Konzept.

Eine enge Kooperation wäre auch mit Tirol (Werner Brugger) denkbar, denn das ist ein engagierter Mann, der ohne Nationalpathos den Sport an sich von unten voran bringen will.


ASTC: Glaubst du, dass es für diese nachkommenden Läufer vielleicht möglich sein wird, in der Sportart Skibergsteigen einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen? Wie stehen deiner Meinung nach die Chancen, dass Skibergsteigen in das Olympische Programm aufgenommen wird?

Stefan Winter: Olympia ist und muss für jeden ambitionierten Sport das größte Ziel sein. Dennoch fehlen im Skibergsteigen noch einige Voraussetzungen: qualitativ gute Wettkämpfe und Athleten in anderen Kontinenten, ein medienpräsenter Sport im TV, professionelle und einheitliche Weltcups und funktionierende Strukturen auf nationaler Ebene in möglichst vielen Ländern.

2014 wäre wohl fast etwas geworden, mal sehen wie es weiter geht! Falls es klappt, dann kämen gewaltige Aufgaben auf die Verbände zu, und die wären derzeit nicht überall sinnvoll leistbar. Die Topathleten des Weltcups hätten es sicher verdient!


ASTC: Wie siehst Du die Entwicklung bei den Damen und bei der Breite derzeit?

Stefan Winter: Momentan läuft die Entwicklung teilweise etwas falsch in meinen Augen. Der Sport wird mit Einschränkungen zu stark als reiner Extremsport "verkauft": Jedes Rennen will das extremste sein. Da schaukelt man sich hoch, und es kommen komische Stilblüten hervor.

Außerdem ist der Fokus teilweise zu sehr auf die Männerleistungen gelegt. Damen fallen in der Berichterstattung zu oft herab. Der DAV steuert hier dagegen und bringt in seiner nächsten Zeitschrift ein Portrait von unseren fünf Damen. Hier wird es tolle Informationen und Bilder über die weiblichen Sportler zu sehen geben.

Das andere ist, dass alle Fotos von diesem Sport stark von Unmengen technischer Spezialausrüstung geprägt sind. Da fragt sich der/die Hobbyläufer/in: wo gibt's das, viel zu teuer etc. Will sagen, die Einstiegsschwelle in den Sport ist zu hoch. Auch der DAV hat hier Fehler gemacht, was die Darstellung des Sports anbelangt. Hier bedarf es großteils eines Umdenkens in Richtung Hobbyläufer.

Außerdem sollte mit Einschränkungen das Reglement nicht zu kompliziert sein. Nicht immer müssen die internationalen ISMC-Regeln übernommen werden. Ich halte zum Beispiel die Gewichtsregel bei Ski und Schuh für absolut falsch. Wir haben mit Sportwissenschaftlern und Ingenieuren gesprochen. Die sagen, dass rein physikalisch betrachtet so die Chancengleichheit nicht hergestellt wird. Deswegen, und weil es einfach zu kompliziert ist, haben wir darauf verzichtet.


ASTC: Kommen wir jetzt aber wieder auf die nationale Ebene zurück. Die ASTC-Rennen in Österreich haben manchmal ein wenig unter dem Schneemangel gelitten, konnten aber alle mit einer ansteigenden Teilnehmeranzahl gegenüber dem Vorjahr erfolgreich durchgeführt werden. Wie lautet dein Resümee bezüglich der bisher abgehaltenen Rennen des DAV Black Diamond Skitourencups?

Stefan Winter: Teilnehmerzahlen sind nicht alles, und die höchsten nationalen Wettkämpfe sollten nicht an den Teilnehmerzahlen gemessen werden, sondern an der Qualität des Sports und seiner Rahmenbedingungen. Bei der Stadionleichtathletik geht es auch nicht um die meisten Teilnehmer, sondern um verlässliche einheitliche Standards in der Ausrichtung.

Bei unseren drei höchsten nationalen Beweben bin ich 2007 bislang mit der Qualität sehr zufrieden. Faire Gebühren und ein super Preis-Leistungsverhältnis, sehr hohe Leistungsdichte und Topleistungen an der Spitze.

Was fehlt, ist dieses Jahr bei uns die Breite. Das liegt einfach daran, dass 2007 in ganz Deutschland praktisch keine alpine Skitour gehbar war, und selbst die Skigebiete Einbußen bis zu 80 Prozent haben. Das ist, wie wenn im Sommer den Badeseen das Wasser ausgelassen wird, und keiner schwimmen kann.

Als Event können wir uns noch verbessern, aber als Verband wollen wir auch seriös sein und nicht jedem Trend hinterher laufen. De facto hat es dieses Jahr bei uns jedem sehr gut gefallen, und auch die Tiroler Freunde kamen zahlreich und waren begeistert. Die Salzburger Szene sieht man leider eher selten! Aber von Alex Lugger weiß ich, dass er bei uns gerne läuft, er liebt halt auch die alpine Beimischung.

Für 2008 hat der DAV großes vor: die Deutsche Meisterschaft Team soll kommen, die Deutsche Meisterschaft Vertical Race wird etabliert, und die Deutsche Meisterschaft Einzel ist ja der Klassiker. Dazu kommt noch ein Schmankerl, das noch nicht verraten wird.


ASTC: In gut einem Monat, am 31. März 2007, wird bei uns in Österreich der Dachstein Xtreme diesmal als Weltcup-Rennen ausgeführt. Wird die Deutsche Mannschaft vollzählig vertreten sein und ihr Bestes geben?

Stefan Winter: Letztes Jahr war das deutsche Team stark vertreten, und es hat allen sehr gut gefallen. Leider liegt der Termin direkt hinter der Europameisterschaft, so dass ich nicht weiß, wie viele kommen werden - denn die EM kostet Kraft, und eigentlich ist direkt danach Regeneration angesagt, besonders weil der Dachstein ein Höhenrennen ist. Da sollte man nur ausgeruht an den Start gehen. Toni Steurer und Barbara Gruber wollen aber auf jeden Fall dabei sein - man wird sehen wer noch. Ich wünsche aber dem OK alles Gute für dieses anspruchsvolle Rennen.


ASTC: Damit möchte auch ich mich bei dir recht herzlich für das Interview bedanken, und wünsche dir und deinem Team viel Erfolg bei den noch anstehenden Rennen.


Quelle
Anna Spielbüchler
27. Februar 2007
www.astc.at

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